Wie muss die Speditionshalle strukturiert sein, um den verschiedenen Anforderungen der Mieter:innen gerecht werden zu können?

Herausforderungen und Potenziale

Die rund 3500 qm Grundfläche der Speditionshalle ermöglicht zukünftig ein Vielzahl an unterschiedlichen Nutzungen. Sowohl in Hinblick auf den Raumbedarf Urbaner Produktion als auch darüber hinaus, sollen vielfältige Nutzungen von der Fläche profitieren und nebeneinander existieren können. Langfristige Ankermieter:innen, temporäre Nutzer:innengruppen und Besucher:innen öffentlicher Räume stellen unterschiedliche Anforderungen, die es zu berücksichtigen und sinnvoll anzuordnen gilt.

Die Herausforderung der "Mischnutzung" besteht darin, den Grundriss der Halle so zu strukturieren, dass zum einen Synergien zwischen den Nutzer:innen entstehen und zum anderen Lösungen für divergierende Bedürfnisse gefunden werden. Die räumliche Strukturierung der Halle hängt dabei insbesondere von vier identifizierten Nutzungsarten ab: privat, öffentlich, temporär und langfristig.

Entlang dieser Achsen müssen soziale und öffentlichen Bereiche (z.B. Veranstaltungsräume) sowie private Räume für temporäre Nutzungen und langfristige Ankermieter:innen geschaffen werden. Darüber hinaus bedarf es einem praktikablen Erschließungskonzept, damit die einzelnen Räumlichkeiten durch die Nutzer:innengruppen gezielt aufgesucht werden können.


Besondere Anforderungen im Utopiastadt-Kontext

Bei der Planung ist auf eine sinnvolle Verknüpfung und thematisch ergänzende Produktion der bereits vorhandenen Aktivitäten und Projekte in Utopiastadt zu achten. 
Grundsätzlich sollten fluide, in die Halle übergehende öffentliche Räume geschaffen werden, um die Speditionshalle in das Gesamtesamble des US-Campus zu integrieren (siehe auch Kapitel "Transparenz"). Durch explizite Veranstaltungs- und Freizeitflächen öffnet sich die Halle für neues Publikum. Öffentlichkeitswirksame Räume und Veranstaltungsformate ermöglichen die Partizipation und Teilhabe der Nachbarschaft und stärken die soziale Einbindung der Halle in das gesamte Quartier Mirke.

 


Empfehlungen


Ein Grundschema - Gliederung der Fläche nach Funktionen

Wir empfehlen die Gliederung der Fläche nach den unterschiedlichen Funktionen und Anforderungen der Nutzer:innengruppen, um sowohl offenen, publikumsorientierten Nutzungen als auch professionell-gewerblichen Mieter:innen gerecht zu werden. 

Ein gutes Grundschema zur Strukturierung der Halle zeigt das Team "Oliwe" in ihrem Blaupausen-Konzept auf.  Hier werden die Nutzungsfunktionen der Halle in drei Kategorien eingeteilt: langfristig oder mittelfristig vermietete Räume und Werkstätten, zeitlich begrenzte und wechselnde Angebote (Workshops, Kurse) und frei nutzbare Flächen, ohne festes Angebot. Zur Unterbringung der Nutzer:innengruppen wird der Grundriss der Halle in Süd-Nord Richtung in drei unterschiedliche Zonen eingeteilt (s. Team Oliwe).

Drei Erschließungsachsen im Grundschema können dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Bereiche der Halle gezielt erschlossen werden können. Diese werden im Blaupausen Konzept des Teams BreaKit visualisiert. An der südlichen, publikumsorientierten Fassade an der Nordbahntrasse empfehlen wir die Ansiedlung öffentlicher Nutzungen wie Gastronomie, Shops und freie Begegnungsräume. Eine weitere Erschließungsachse schlägt das Team BreaKit deshalb im Außenbereich entlang der geöffneten Südfassade vor. Sie sorgt für die Bildung einer zentralen, publikumsorientierten Außenadresse.

Im mittleren Bereich der Halle können die halböffentlichen Räume für Seminare, Coworking und Events angelegt werden. Eine zentrale von West nach Ost verlaufende Erschließungsachse schafft Zugang zu den Angeboten und fungiert als Begegnungsfläche zwischen Urbanen Produzierenden und öffentlichem Publikum.

Auf den nördlichen Flächen der Halle entsteht Raum für die lang- und mittelfristige Ansiedlung von geteilten Werkstätten und Manufakturen. Diese werden durch eine nördliche Erschließungsachse autark über die Laderampen erschlossen. Gleichzeitig dienen sie den Produzierenden als logistische Lösung für Anlieferung und Abverkauf.


Ankermierter:innen im Osten

Im Anschluss an das Blaupausen-Konzept des Teams Pesto plädieren wir die Unterbringung eines oder mehreren fester Ankermieter:innen im gesamten Ostflügel der Halle. Dieser sollte möglichst zu Beginn der Hallenerschließung baulich durch eine große Wand vom Rest der Halle getrennt werden. Die Spedition oder ein anderer industrieller Akteur kann während des Erschließungsprozesses der Halle als Ankermieter erhalten bleiben und den Unterhalt der Halle tragen. Ebenfalls kann der Bürotrakt zunächst durch den Ankermieter genutzt werden. Die Erschließung erfolgt unabhängig von den restlichen Nutzer:innen der Halle über die östlichen Ladebuchten. Das Team Pesto beschreibt diesen Bereich als "openspace Produktion" welcher als freie Fläche konzipiert wurde, und für verschiedene Ankermieter:innen ein attraktives Raumangebot schafft.

In späteren Entwicklungsphasen kann der konventionelle Ankermieter durch einen zukunftsfähigeren urbanen Produktionsakteur ersetzt werden. Das Team Pesto schlägt beispielsweise "eine urbane Indoor-Farm mit vertikalen und künstlich beleuchteten Beeten" vor.
Durch den autarken Zugang und die Ausweisung des Ostbereichs als großformatige Produktionsfläche bietet sich dauerhaft die Möglichkeit einen großen und solventen Ankermieter unterzubringen. Durch die Aufteilung der Halle in verschiedene Nutzungszonen und den Erhalt eines Ankermieters wird zudem eine kleinschrittige, kostensparende und strukturierte Erschließung ermöglicht (s. Team Pesto).


Zentrales Forum mit Tribüne

Bezugnehmend auf das Blaupausen-Konzept des Team BreaKit empfehlen wir eine offene Fläche mit Tribüne als ein zentrales Forum innerhalb der Halle. Der Entwurf des Team BreaKit schafft mit einfachen Mitteln einen multifunktionalen und kommunikativen Raum. Die stufenartige Gestaltung um die mittige Freifläche bietet vielzähligen Nutzungsmöglichkeiten Platz: Von dauerhaften Sitzgelegenheiten und sportlichen Aktivitäten bis hin zu Aufführungen und Veranstaltungen. Die zentrale Tribüne bietet eine Fläche für gemeinsame Aktivitäten sowie die Erschließung eines Veranstaltungsbereiches mit erhöhter Zuschauerzahl für Utopiastadt. Die Vermietung der Location für externe Events bietet zudem eine weitere Einnahmequelle zum Unterhalt der Halle (s. Team BreaKit).


Zusammenfassung

  • Aufteilung der Halle nach Nutzungsarten und Öffentlichkeitsorientierung
  • Südbereich: öffentlich, flexibel, einladende Adresse, publikumswirksame Erschließung
  • Nordbereich: gewerblich, privat, logistische Erschließung
  • Mittlere West-Ost-Achse als Begegnungsfläche, halböffentliche Nutzungen wie Workshops
  • Zentrales Forum mit Tribüne
  • Fester & baulich getrennter Ankermieter im Ostflügel
  • Flexible und modulare Nutzungsbereiche im Westflügel


BLAUPAUSEN-Konzepte zum Weiterlesen:

Team Pesto

Team BreaKit

Team Oliwe

Abbildungen:


  • Keine Stichwörter